REISEBLOG 6 #couchsurfen

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Couchsurfing-Premiere auf Sardinien

Couchsurfen – eine neue Welt eröffnet sich für mich

Das Buch „Mit 50 Euro um die Welt“ von Christopher Schacht – bewegend und inspirierend – führte mich in die Welt des Couchsurfens. Es erzählt von einem jungen deutschen Burschen, der eine 4-jährige Weltreise machte. Sogleich lud ich mir die im Buch angeführte Couchsurfing-App herunter und registrierte mich, um näher in die Erfahrung des „Low-Budget“-Reisens hineinzuwachsen.

Auf meiner Reise #fromeuropetohawaii hatte ich nun bereits einige Male die Gelegenheit, in diese neue Welt einzutauchen. Couchsurfing ist übrigens ein kostenloses Übernachten in Wohnungen oder Häusern anderer Mitglieder eines gleichnamigen Netzwerks im Internet.

Couchsurfing-Premiere auf Sardinien

Schon Wochen vor meiner Abreise suchte ich auf der Couchsurfing-App nach Möglichkeiten einer Übernachtung. Doch einfach war dies nicht wirklich. Schon früh nämlich stellte ich fest, dass es unter Millionen von App-Nutzern gar nicht so selbstverständlich ist, eine Zusage für eine passende kostenlose Unterkunft auf der Couch zu finden:

  • entweder die Leute antworten gar nicht – was erfahrungsgemäß meistens der Fall ist
  • oder sie antworten, wenn es bereits zu spät ist,
  • doch häufig bekommt man sehr freundliche Absagen, dass es zeitlich nicht passt,
  • und im seltensten Falle bekommt man eine Zusage.

Mutige Schritte

Die erste Zusage bekam ich von Ines auf Sardinien. Kurz bevor ich von meiner ersten Destination auf Monteleone Rocca Doria abreiste, wollte ich mich nochmal bei Ines erkundigen, ob alles klar ist, denn sie reiste vor meiner Ankunft in Asien herum. Doch sie meldete sich nicht. Ich wurde nervös und musste nochmal auf der CS-App nachforschen. Von vielen Anfragen meldete sich ein einziger mit einer Zusage: Marcello!

Will ich das wirklich? Ein Mann, und meine erste Couchsurfing-Erfahrung? Doch ich hatte keine andere Wahl! Hotels waren für mich nicht leistbar. Günstigere Unterkünfte oder Hostels konnte ich auf Booking.com und Co nicht finden. Was blieb mir also übrig?! Marcello hatte an die 300 positiven Bewertungen! Beruhigend??? Irgendwer erzählte mir, dass man Bewertungen auch kaufen kann – huch, ich glaub das jetzt einfach mal nicht, denn Marcellos Account schien mir durchaus seriös zu sein. Ich erinnerte mich sogleich an mein Schlüsselwort: VERTRAUE!

Nicht nur ich wollte sicher gehen, denn nachdem ich zugesagt hatte, war es Marcello, der vorab mit mir telefonieren wollte, um mich kennenzulernen – so plauderten wir in einem Mix aus Englisch und Italienischem Kauderwelsch. Er stellte mir ein paar Fragen, mit denen er bei jedem Couchsurfer vor Ankunft aufwartete. Er wollte wissen, welche drei Schlagworte mich beschreiben würden. Spontan wie ich antworten musste, fiel mir ein: offenherzig, ehrlich, flexibel. „Mutig“ wäre wohl im Zusammenhang mit dieser ersten Couchsurfing-Erfahrung noch passender gewesen!

Mmhh, welche Eigenschaften würden dir, lieber Leser, für dich spontan so einfallen? Marcello verriet mir auf meine Frage hin auch seine drei Eigenschaften: colorful, open-minded, friendly. Colorful war das erste, was ich sofort als ich in seine Wohnung kam bestätigen konnte. Alles bunt, gelbe und rote Wände, bunte Decken, eine Single-Wohnung, die kuntabunt und auf eine nette Art auch durcheinander wirkte.

Marcello wohnte in Olbia, was für mich infrastrukturell weitaus günstiger lag, da ich nach diesem Aufenthalt von Olbia die Fähre nach Rom gebucht hatte, um meine Tochter während ihrer Rom-Sprachreise zu besuchen. Da wir spontan entschieden, auf ein Eros Ramazzotti Konzert zu gehen, blieb ich schlussendlich nur diese eine Nacht bei Marcello. Auf seiner Gitarre spielte er mir an dem Abend extra für mich meinen Eros, obwohl er seine Musik gar nicht mochte, sangen wir gemeinsam „Terra Promessa“ und hatten Spaß dabei. Meine Nacht verbrachte ich auf der Wohnzimmer-Couch, eingewickelt in meinen Schlafsack, da es doch sehr kühl war, nahm ich mir noch eine seiner etwas schmuddeligen Decken, die ich vorsichtig über den Schlafsack legte.

Hausregeln

Marcellos einzige Hausregel war, dass es keine Hausregeln gab, und ich solle mich fühlen wie zu Hause und einfach nehmen, was ich brauche. Als Dankeschön habe ich ihm ein wenig die Wohnung gereinigt, ein paar Früchte und Gemüse für seinen Kühlschrank eingekauft und ihn zu der kleinen Theater-Aufführung am Hafen eingeladen.

Wenn man eine Gegenrechnung aufstellt im Vergleich Hostel und Couchsurfing, kann ich nicht behaupten, dass Zweiteres alles in allem günstiger war. Aber in jedem Falle war es eine wertvolle Erfahrung! Am nächsten Tag kam die junge Leonie aus Deutschland als Couchsurferin, mit der ich erfreulicherweise wieder einmal in meiner Sprache plaudern konnte. Leonie faszinierte mich, wie sie lebt und alleine reist und welch weise Einstellungen sie schon in jungen Jahren hat.

Couchsurfen bei Pisa

Meine nächste Couchsurfing-Erfahrung war eine typisch italienische Familie in der Nähe von Pisa. Die zwei Töchter im Teenie-Alter waren entzückend und haben sich vorbildlich benommen. Immer wenn sie merkten, ich komme beim Italienisch-Sprechen nicht mit, haben sie – auch im gemeinsamen Gespräch unter der Familie – gleich Englisch gesprochen, damit ich sie leichter verstehen konnte.

Ihr Vater hat uns abends einen herrlich leckeren Fisch mit Salat zubereitet, ich stellte den Wein zur Verfügung.

Der schwarze Kuschel-Kater „Gatta“ (was so viel wie „Katze“ heißt) schlief nachts nicht nur BEI mir, sondern AUF mir auf der Couch. Fragt sich: „Wer war da bei wem couchsurfen?“

In den vier Wänden von fremden Leuten Zeit zu verbringen ist eine Sache, und dann noch auf der Couch zu übernachten eine andere! Nicht jedermanns Sache! Doch man bereut nichts! So viel wage ich zu versprechen. Es waren anfangs wie auch beim ersten Couchsurfen gewöhnungsbedürftige Stunden, doch nach näherem Kennenlernen eine wahrhaftig bereichernde Zeit. Und es ist es wert, über seinen Schatten zu springen, offen zu sein für das Neue, für das Fremde, für das Einfache – man bekommt so viel zurück.

Couchsurfen am persönlichen Jakobsweg in Österreich

Nach meiner Mariazell-Pilgerung wollte ich den Jakobsweg weitergehen. Während dieser Pilgerung nach Salzburg durfte ich zweimal Couchsurfen. Je eine Nacht – einmal bei Alena mit ihrem süßen Baby und ihren Eltern, die sich alle liebevoll um mein Wohl gekümmert haben – ich hatte Luxus pur mit einem eigenen Zimmer und eigenem Bad im Dachgeschoß. Es war mir übrigens bei jeder Suche sehr wichtig, dass ich ein eigenes Zimmer habe – diesen Wunsch kann man in der App bei der Suche auswählen. Wenn es an Angeboten mangelt, hilft halt nur, diese Option wegzuklicken.

Doch auch bei meiner nächsten Gastgeberin hatte ich Glück mit einem eigenen Zimmer. In Oberösterreich hatte ich das Vergnügen, auf einem Bio-Bauernhof bei Vlora unterzukommen, wo ich sogar zum ersten Mal eine Ziege melken durfte.

Was für eine liebevolle Begegnung. Ich konnte viel lernen, Vlora ist eine sehr weise Frau, nicht nur was das Landwirtschaftliche betrifft, sie hat mir auch weises Wissen fürs Leben mitgegeben.

Den Attersee entlang gepilgert, durfte ich als nächste Schlafstätte in St. Gilgen am Wolfgangsee couchsurfen. Ein junges Mädchen im Alter meiner Töchter war selbst auf Reisen und bat ihre Mutter als Dankeschön und Gegenleistung in der Couchsurfing-Community, mich als allererste Couchsurferin aufzunehmen. Mit Gabi konnte ich über Gott und die Welt plaudern, wir hatten einige Gemeinsamkeiten entdeckt, vor allem was so manche Herausforderungen im Leben betrifft. Ihr Schicksal war für mich ein weiteres Zeichen, dass ich meine Reise abbrach und zurück zu meinen Kindern kehrte.

Couchsurfen in St. Gilgen am Wolfgangsee

Es ist zwar überall im Leben so, das man wundervollen Menschen begegnet, wenn man offen dafür ist (weil wir alle wunderbare schöpferische göttliche Wesen sind), Menschen, die einem Interessantes über das Leben und über sich selbst erzählen, doch auf einer solchen Pilgerung und beim Couchsurfen sind derartige Begegnungen noch intensiver und häufiger, wage ich zu behaupten. Vielleicht weil man auf so einer Reise automatisch offener dafür ist. Und weil man mehr Zeit hat, sich auf den Menschen einzulassen.

Couchsurfen in Paris

Nach Salzburg im Juni brach ich also meine Pilgerung ab und stornierte meine Flixbus-Buchung nach Paris wie auch die gebuchte Couchsurfing-Familie, die mich aufnehmen wollte – warum es „manchmal anders kommt als man denkt“ habe ich bereits in meinem vorigen REISEBLOG berichtet.

Couchsurfing-Familie in Paris

Im Juli durfte ich nun doch noch meine davor schon geplante Couchsurfing-Familie in der Stadt der Liebe beehren. Christine, die Mutter des Jungen, der mir auf der Couchsurfing-App zusagte, nahm mich – wie schon Vlora – als erste Couchsurferin auf. Auch bei ihr faszinierte mich ihr Vertrauen: „Da kann ich mir noch etwas abschauen!“, dachte ich mir. Ich durfte mich dort wie zu Hause fühlen.

Die ganze Familie war unglaublich hilfsbereit, sodass mein Low Budget-Trip im teuren Paris menschlich gesehen zu einem sehr wertvollen Luxus-Trip wurde. Paris wäre ohne Couchsurfen für meine Börse in jedem Falle Luxus geworden, ich hätte mir wohl nichtmal in einem Hostel Paris leisten können.

Couchsurfing Paris – Sohn stellte mir sein Zimmer zur Verfügung

Emmanuel stellte mir während seiner Reise zum Nordkap sein freundliches Zimmer und Bett zur Verfügung. Ich wurde verwöhnt mit gemeinsam gekochten Essen, wobei Christine mir mehr lernen, als ich helfen konnte.

Referenzen

Wiesen-Couchsurfen – Nachmittags-Chillen am Eiffelturm

Nach dem Couchsurfen ist es üblich, dass man sich gegenseitig eine Referenz schreibt. Bei meiner liebenswerten Pariser Familie, wo ich

die meiste Couchsurfing-Zeit verbracht hatte, fassten wir unsere bedeutsamen Stunden und Tage wie folgt zusammen – wobei ich die meinigen Worte auf deutsch zum Ausdruck brachte:

So eine liebevolle Familie, ich wurde sehr herzlich aufgenommen, hab mich schnell eingelebt, als wäre es mein Zuhause, hatte bereichernde Stunden mit den Eltern. Bin sehr dankbar dass Christine auch deutsch spricht, da mein Englisch nicht so gut ist.

Couchsurfen in Paris – fasziniert von der Handwerkskunst von Christine

Wir haben gemeinsam gekocht, ich habe gelernt wie man französische Crêpes macht und leckere gesunde Mahlzeiten zaubert. Fasziniert hat mich auch die liebliche Gestaltung der Räume mit viel Holz und den selbst gemachten Keramik-Figuren.
Vielen Dank für eure Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft!

Christine schrieb: We had a very nice time with Sandra. We spoke either in German or in English. I liked her discussion and the stories about her Book and of her life. Travelling like she does, is very impressive! Incredible! I wish her to follow her intuition and the signs as she does ! All the best. 

Sie wünschte mir also, dass ich meiner Intuition und den Zeichen weiterhin folge. Was ich auch tat, so gut es mir gelang.

Schnupper-Jakobsweg in San Sebastian/Spanien

Couchsurfen in San Sebastian

Auf meinem Trip von Paris über Bordeaux, nach La Rochelle bis an die Spanische Küste nach San Sebastian, wo ich einen genialen Schnuppertag lang den Jakobsweg mit Blick auf den Ozean machen konnte, durfte ich ein letztes Mal auf diesem Reiseabschnitt eine wunderbare Cochsurfing-Erfahrung machen.

Blick auf San Sebastian

Meine Gastgeberin war ein junges Mädchen, in ähnlichem Alter wie meine Töchter, das ich bereits in Wien auf dem Donauinselfest kennenlernen durfte. Sie legte mir vor meiner Ankunft schon einen Plan zurecht, was ich alles besichtigen könnte, da sie während meines Aufenthaltes arbeiten musste.

Am 22. Juli flog ich von Bilbao zurück, nach einem kurzen Zwischenstopp in meiner Heimat ging es schon weiter nach Kärnten.

Warum? Ich hatte wieder große Lust auf Musica Italiana, das war diesmal der Grund, warum ich meine Reise nicht wie eigentlich geplant nach Porto fortsetzte, sondern ich mich fragte: „Warum denn in die Ferne schweifen, wenn mein EROS doch so nah war?“ Once again: nach Wien und Rom zog es mich nochmal zur Eros Ramazzotti-Tour auf den schönen Wörthersee.

Roadtrip und Couchsurfen im Kleinwagen – hier am Keutschachersee

Low Budget am Österreich Roadtrip

Mein Budget war jedoch schon ziemlich geschröpft und ich fand trotz langem Suchen einfach keine günstige Unterkunft und bekam nach unzähligen Anfragen auf der Couchsurfing-App keine Zusage. So musste ich mich um eine andere günstige oder kostenlose Schlafmöglichkeit umsehen, wenn ich weiterreisen möchte.

Couchsurfen etwas anders, im Kofferraum des eigenen Autos …

Die Idee war gedanklich schon davor geboren: „Wenn ich schon mit dem Auto fahre, möchte ich es auch mal als Übernachtungsstätte nutzen!“ So nahm ich auch meinen Schlafsack und die dicke Yoga-Matte von daheim in meinem kleinen Kia mit. Aber wo kann und darf ich mich mit dem Auto hinstellen, ohne Gefahren oder Verboten ausgesetzt zu sein? Ich machte mich schlau im Internet…

Heilige Stätte beim Stift mit Blick zum Längsee

Die spannenden Details zu meiner ersten Übernachtung am Parkplatz des Stiftes mit Blick auf den Längsee in meinem Auto kannst du in weiterer Folge in meinem in Arbeit befindlichen Buch „FEtH“ nachlesen… Die Nacht war jedenfalls ereignisreich und anstrengend, voller Mut und Vertrauen, ich berichte über natürliche Bedürfnisse, Träume, lästige Insekten und andere Tierchen, die über mein Auto liefen… Es hat irgendwie auch Spaß gemacht, es war Abwechslung und Abenteuer pur. Und trotz gewisser Ängste fühlte ich mich im geschützten Bereich dieser Heiligen Umgebung eines Stiftes wohl behütet.

Wie geht es weiter?

Wo es mich noch hingetrieben hat? Wo ich im noch im Auto übernachtet habe? Wie es ist als Frau alleine FKK zu baden? Wie es für mich war in einem Kloster zu übernachten?Welche erkenntnisreichen Momente und lehrreichen Herausforderungen es sowohl auf meinen Reisen als auch in der Zeit danach gab? Wie steht es um die Gefühle und die Liebe auf Reisen? Dies und vieles mehr erzähle ich in meinem in Arbeit befindlichen Buch „FEtH – From Europe to Hawaii“?

Bis zur Fertigstellung wird es weitere REISEBLOGS geben. Wer weiteren Lesestoff benötigt, für den haben wir bei „Bücher mit Herz“ viele wertvolle Bücher mit Botschaften, die dein Herz öffnen und dir helfen können, deine Herausforderungen besser zu meistern. Mein erstes Buch „alles hat SINN im abenteuer leben“ erzählt die Geschichte von Selina Leone, die auch durch Botschaften aus Büchern den Weg aus ihrem Leid und der Opferhaltung fand.

Schöne Herbstzeit wünscht euch Sandra

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. 
(Aurelius Augustinus)