Die Beziehung zu sich selbst.

Es gibt nur eine einzige Beziehung, die wir beruhigt aufgeben können: Die Beziehung zu sich selbst. Also die Beziehung zwischen unserem „ich bin“ gegenüber unserer gedanklichen Vorstellung, die wir von uns haben. Dieses kleine gedankliche Ich mit dem wir uns den ganzen Tag beschäftigen. Das meint, so viele Probleme lösen zu müssen. Sich ständig mit anderen Personen vergleicht und dabei schnell neidisch wird. Das ohne einen ersichtlichen Grund ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt, aber auch sehr schnell überheblich und verletzend sein kann. Das oft unzufrieden ist und größte Mühen auf sich nimmt, um etwas zu finden, das ihm Erfüllung geben kann, um dann festzustellen, dass es nach all der Anstrengung eine herbe Enttäuschung erntet.

Egal, wo dieses kleine Ich hinkommt, immer wieder stellt es fest, dass da irgendetwas noch nicht so ist, wie es sein sollte. Es fehlt ständig etwas, nichts ist vollkommen. Auf diese Weise kommunizieren wir ständig mit unserem kleinen Ich und erschaffen unsere persönliche Lebensgeschichte, die wir uns immer wieder selbst, aber auch gerne jedem anderen, der sich dafür interessiert, erzählen.

Bei diesem Vorgang handelt es sich um eine Spaltung unserer Identität, die wir selbst erschaffen und die, wenn wir nichts anderes kennen, sehr schnell destruktiv wird. Dann macht uns die Lebensgeschichte immer unglücklicher, dennoch haben wir Angst davor, diese Selbstgespräche aufzugeben.

Was ist unsere Identität, wenn diese Lebensgeschichte verstummt?

Wir befürchten dann, dass wir nicht mehr existieren. Doch das stimmt nicht. Wir sind auch dann noch anwesend, wenn es in unserem Inneren ruhig wird. Finden wir den Mut das zuzulassen, beginnen wir etwas zu fühlen, das wesentlich stärker und angenehmer ist als der ständige Gedankenlärm. Wir erfahren dann die Außenwelt und unser Innenleben in einer völlig neuen Qualität. Das kleine gedankliche Ich, das alles interpretiert, wird nicht gleich verschwinden, aber es wird immer schwächer. Wir brauchen es dann immer weniger und es verliert die Macht über uns. Plötzlich sehen wir alles in einer stillen Aufmerksamkeit und in einer ungetrübten Klarheit. Wir werden sehr einfach, unkompliziert, ruhig, gelassen und spüren eine gewaltige Energie in uns. Dann sind wir wirklich wir selbst, ohne großartige Vorstellungen über uns.

Möge ein bewusstes Herz, Dein ständiger Begleiter sein.

Wolfgang Wieser