Die Suche nach Glück

Jeder Mensch ist zeit seines Lebens von den vielfältigsten Dingen umgeben. Im Allgemeinen sprechen wir dann von der „Außenwelt“. Sie umfasst einfach alles. Die ganze Vielfalt der Natur in ihren unzähligen Erscheinungsformen. Die persönlichen Dinge, die jede Person ihr Eigen nennt. All die vielen anderen Menschen, zu denen man in seinem Leben Kontakt hat und vieles mehr. Diesen unzähligen Dingen in der Außenwelt begegnen wir mit unterschiedlicher innerer Einstellung. Da gibt es eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten.

Grob zusammengefasst unterteilen wir sie in folgende Kategorien: Wir finden Dinge, Menschen und Situationen vor, die uns ziemlich egal sind, wir beachten sie kaum. Wir registrieren zwar, dass es sie gibt, doch das geschieht nur am Rande unserer Aufmerksamkeit. Dann gibt es Dinge, Menschen und Situationen, die mögen wir nicht. Sie regen uns auf und wir hassen oder fürchten sie. Weiter gibt es aber auch Dinge, Menschen und Situationen die wir willkommen heißen. Sie lieben und verehren wir. Mit ihnen beschäftigen wir uns gerne. Zu guter Letzt gibt es noch Dinge, Menschen und Situationen die uns einen Ansturm an Freude bescheren. So wie Geburtstagspakete.

Das könnte zum Beispiel eine neue Partnerschaft sein, ein Kind, ein Lottogewinn, ein lang ersehnter Urlaub, ein wunderschönes neues Auto und vieles mehr. Diese Dinge sind eher selten und wir sehnen uns nach ihnen. Meist investieren wir viel Zeit und betreiben einen großen Aufwand, um wieder so ein Glückspaket des Lebens zu erhalten. Wir sind regelrecht auf der Suche nach ihnen. Wenn nun nach langer Zeit wieder so ein wunderbares Ereignis in unserem Leben eintritt, meinen wir meist, dass diese Freude durch das jeweilige Ding, durch eine Person, oder eine bestimmte Situation zu uns gekommen ist. Der Energiestrom des Glücks scheint vom „Dort“ zu uns geflossen zu sein. Doch es ist genau umgekehrt. Deshalb kann auch etwas, das dem einen eine überschwängliche Freude bereitet, einem anderen völlig egal sein. Selbst bei etwas, das uns einmal große Freude beschert hat, kann es im Laufe der Zeit passieren, dass wir uns an das Schöne gewöhnt haben und wir wieder das Interesse daran verlieren. Es kann sogar so weit gehen, dass wir das einst Geliebte zu hassen beginnen.

Was in uns lässt uns diese Freude bei den Glückspaketen erleben? Der Auslöser kann auf ein einziges Wort reduziert werden: „Ja“. Je intensiver wir etwas bejahen, desto mehr Freude und Energie fließt. Nun stellt sich die Frage: Wenn es so einfach ist, warum ist dann dieses Erlebnis so selten? Ganz einfach, weil wir meist dagegen sind. Wir begegnen der Welt eher mit einem „Nein“ als mit einem „Ja“. Das ist nicht immer ein klares Nein, oft ist es einfach eine gesunde Portion Skepsis und Vorsicht. Das scheint bei all dem, was man so hört, liest und sieht, mehr als angebracht zu sein. Schließlich ist nicht alles, was uns begegnet rosarot. Doch wir haben schon gesehen, dass die Welt an sich neutral ist.

Wenn unser Ja auf bestimmte Dinge gerichtet ist, erzeugen wir unabsichtlich auch ein intensives Nein. Das ist die Falle beim positiven Denken. Dabei spalten wir die Welt. Wenn dieses Glücksgefühl beständiger sein soll, muss es ein Annehmen und Akzeptieren der Welt sein, wie sie eben in diesem Moment ist. Wohlgemerkt der Welt, wie sie wirklich ist und nicht, wie wir sie interpretieren. Denn das sind nur Vorstellungen und subjektiv gefärbte Erinnerungen, durch die wir die Welt betrachten und dann durch unsere Reaktion eher Leid als Freude herbeiführen. Die Geschichten, die wir in unserer Vorstellung erschaffen, von der realen Welt zu unterscheiden, ist nicht immer einfach, da wir sehr in sie verstrickt sind, aber es ist möglich. Der Weg dazu wurde schon beschrieben. Es ist einfach das Beobachten der Gedanken und Emotionen und das Lenken der Aufmerksamkeit auf die Sinneswahrnehmungen. Wenn wir das wertfrei praktizieren, öffnen wir uns einerseits der Welt, gleichzeitig aber auch der inneren Quelle, aus der die Energie kommt. Mit ihr kommt eine Freude, die nichts mit unserer jeweiligen Lebenssituation zu tun hat. Es bedarf einer großen Portion Mut, der Welt offen zu begegnen, aber es lohnt sich. Wenn wir sie, so wie sie ist, bejahen, kann die Energie durch uns hindurchfließen und alles funktioniert reibungsloser. Die Energie unseres Handelns kommt dann direkt aus der Quelle des Lebens. Plötzlich beginnen die Dinge runder zu laufen, die Schwierigkeiten und Hindernisse werden weniger. Wir kommen in den Fluss des Lebens. Der kann sich aber nur dann entfalten, wenn wir uns ihm öffnen. Die Energie und die Intelligenz, die dann durch uns in die Welt gelangen, sind unvorstellbar gewaltiger als das, was wir durch Denken zustande bringen. Viele Menschen die von solchen Dingen hören, glauben dann, dass übernatürliche Phänomene am Werke sind. Doch dieser Prozess hat nichts Mystisches oder Übernatürliches an sich. Diese Kraft ist die Quelle allen Lebens. Alles Entstandene stammt aus dieser einen Quelle, und deshalb drückt sie sich auch über die ganz normalen Erscheinungsformen aus.

Wir sehen und nützen viele Gelegenheiten einfach gar nicht. Dann verneinen wir, ohne uns bewusst zu sein, welche Tragweite unser Handeln hat. Wir vergeben viele Chancen und Möglichkeiten, weil sie uns zu banal und unbedeutend erscheinen. Die hilfreichen Dinge kommen auf ganz normalen Wegen zu uns, wir müssen sie nur erkennen und nutzen. Das wahre Glück kann überall gefunden werden, wenn wir aufhören, die Welt zu bekämpfen. Diese unvorstellbare Energie, die das gesamte Universum hervorgebracht hat und alles am Leben hält, kann sich durch uns erfahren, sofern wir uns ihr öffnen. Jedes „Nein“ zu dieser Welt widerstrebt dieser Kraft und mit jedem „Ja“ kommen wir ihr ein Stückchen näher. Wenn wir ihr durch unser „Ja zur Welt“ sehr nahe sind, erfahren wir das als gewaltiges Glückserlebnis.

Wolfgang Wieser


Der Kampf zwischen Licht und Schatten!

„Ich gebe mein Bestes“, sagen die meisten Menschen, wenn man sie nach dem Grund ihres Handelns fragt. Sie sind ernsthaft bemüht die Welt zu verbessern, selbst wenn sie dafür kämpfen müssen.

„Das Böse muss vernichtet werden, dann wird alles gut.“ Diese Hoffnung motiviert viele.

So entsteht der uralte Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Schatten.

Doch in Wirklichkeit ist es gar kein echter Kampf. Die Welt ist immer neutral, nur der denkende Verstand, interpretiert und verurteilt das, was er erlebt. Auf diese Art bezeichnet er einen Teil der Welt als Gut und erschafft dadurch unabsichtlich das Böse. Da er das Böse nicht mag, wendet er seinen Blick von ihm ab und es entsteht der Schatten. Wenn er nun glaubt das Böse bekämpfen zu müssen, kämpft er in Wirklichkeit mit seinem eigenen Schatten und dieser wird umso mächtiger, je mehr Widerstand er ihm leistet.

Der Schatten lebt nur, weil wir ihn unabsichtlich am Leben erhalten. Das Licht des Bewusstseins löst ihn auf.

Stellen Sie sich ein Holzkästchen vor. In seinem Inneren ist es absolut dunkel. Wir können bei Tageslicht ohne Bedenken das Kästchen öffnen, die Dunkelheit wird sich nicht verbreiten. Im Gegenteil, das Licht wird das Innere des Kästchens erhellen.

Nehmen wir nun an, es wäre genau umgekehrt.

Außen herrscht dunkelste Nacht und im Inneren des Kästchens ist eine Lichtquelle. Wir könnten wieder ohne Bedenken das Kästchen öffnen. Die Dunkelheit kann dem Licht nichts anhaben. Das Licht würde die Umgebung des Kästchens erhellen.

Genauso verhält es sich mit dem Schatten und dem Bewusstsein.

Der Schatten hat keine eigene wirkliche Existenz.

Die Angst hat ihn entstehen lassen.

Erinnerungen und Befürchtungen erhalten ihn am Leben.

Doch wenn wir den Mut haben, ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu treten, dann bringen wir das Licht des Bewusstseins in die Dunkelheit und er verschwindet.

 

Wolfgang Wieser

Das Mysterium der Erleuchtung.

Gibt es in dieser Welt wirklich erleuchtete Menschen?

Wenn ja, was ist das Besondere an ihnen?

Sind es Personen mit übernatürlichen Kräften?

Das sind alles Fragen, die der denkende Verstand produziert. Für ihn ist Erleuchtung etwas ganz Besonderes, etwas das ihn von allen anderen Menschen unterscheidet, etwas das ihm die Krone der Schöpfung verleiht. Er ist auch der Meinung, dass Erleuchtung etwas ist, das man sich hart erarbeiten muss und es sich dabei um ein Ereignis handelt, das in ferner Zukunft liegt.

Der Verstand lebt von Abgrenzung, und Gedanken sind seine gesamte Realität. Durch sie häuft er Wissen an, mit dem er letztlich hofft, alles erreichen zu können.

Erleuchtung hat aber nichts mit Wissen im herkömmlichen Sinn zu tun, es ist ein Erkennen.

Das, was wir Wissen nennen, entsteht durch Gedanken, aber genau diese Gedanken sind es, die einen Menschen an der Oberfläche des Bewusstseins halten.

Ein Erleuchteter ist ein ganz gewöhnlicher Mensch. Der einzige Unterschied ist, dass er eins mit dem Leben ist. Da sind keine trennenden Gedanken, die die Welt interpretieren und bewerten. Da ist einfach ein tiefgründiges Bewusstsein, das sich letztlich selbst in jeder anderen Lebensform erkennt. Ein Vorgang den wir Liebe nennen.

Dieses tiefgründige Bewusstsein ist bei jedem Menschen vorhanden, es ist seine innerste Essenz, die er nur noch nicht erkennt.

Deshalb ist jeder Mensch erleuchtet, aber die wenigsten wissen es.

Wolfgang Wieser

Alles erfüllt seine Rolle!

Alles Entstandene hat in der unvorstellbar großen Vielfalt aller Erscheinungsformen eine Funktion. Dies ist die Rolle, die es zu erfüllen hat. Egal was wir betrachten, einen Stein, ein Tier, eine Pflanze, einen Himmelskörper, ein Atom oder irgendeine Form von Energie: Alles hat seine Rolle in dieser Welt und verkörpert diese. Bei genauer Betrachtung kann man erkennen, dass es sich nicht um isolierte Rollen handelt, die zufällig entstanden sind, sondern um eine gigantische Symbiose, in der alles mit allem auf verschiedenste Arten in Verbindung steht.

Weiters wird man erkennen, dass es bei jeder Rolle einen allgemeinen und einen individuellen Teil gibt. Zum allgemeinen Teil von Steinen gehört beispielsweise, dass sie dem Boden Festigkeit verleihen. Das tut jeder Stein. Darüber hinaus gibt es aber auch einen individuellen Teil, der jeden Stein zu einem Unikat macht, das es in genau der gleichen Form kein zweites Mal gibt. Die unzähligen Erscheinungsformen verkörpern und leben ihre Rolle einfach, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Wir Menschen sind da eine kleine Besonderheit, denn wir können uns unserer Rolle bewusst werden. Aber auch unsere Rolle hat diesen allgemeinen und den individuellen Teil.

Betrachten wir einmal den allgemeinen Teil unserer Rolle als Menschen. Wie könnte er aussehen? Welche Rolle verkörpern wir, die für alle Menschen gleich ist?  Ich denke, dass es unter anderem die Fähigkeit ist, dass wir uns unserer Existenz bewusst sind und nach der Quelle des Lebens suchen. Der Großteil meines Buches „Bewusst Leben – Dein Weg des Erkennens“ ist diesem allgemeinen Teil unserer Rolle gewidmet. Von einem anderen Blickwinkel betrachtet, könnte man auch sagen, dass es das Bewusstsein des Nichtmanifesten ist, das sich durch uns seiner Existenz bewusst wird.

Der allgemeine Teil unserer Rolle ist also unter anderem, dass wir die Brücke zwischen der formlosen, reinen Energie, der Quelle des Lebens, zur manifesten Welt der unzähligen Erscheinungsformen bilden. Menschen denen diese Rolle bewusst wurde, werden in vielen religiösen und spirituellen Schriften ausführlich beschrieben und verehrt. Es schien lange Zeit so, als würde dieser Bewusstwerdungsprozess nur sehr wenigen Menschen vorbehalten sein, doch nun stellt sich heraus, dass dies ein allgemeines Gut ist, das grundsätzlich jedem Menschen zur Verfügung steht.

Das einzige, was uns daran hindert, ist unser ständig anhaltender Gedankenlärm, den wir selbst verursachen. Sehen wir uns vorerst noch den individuellen Teil unserer Rolle an. Welche Rolle sollen wir als Individuum erfüllen? Mit anderen Worten, was ist unsere Bestimmung? Diese Frage lässt uns meist an die Zukunft denken. Was soll einmal aus mir werden? Wofür bin ich bestimmt?  Doch tragischerweise sind es die Gedanken an die Zukunft, die uns am meisten von unserer individuellen Rolle ablenken. Sie sind nichts weiter als eine Vorstellung in unserem Kopf.

Die Gedanken verdecken den einzigen realen Kontakt zur Wirklichkeit, der „Gegenwart“. Es ist dieser jetzige Augenblick, in dem wir die reale Welt erleben. Er bildet die Gesamtheit unserer individuellen Rolle. Ihm schenken wir aber kaum Beachtung. Was geschieht eben jetzt in diesem Moment? Sie lesen. Genau dies ist Ihre persönliche individuelle Rolle in diesem Augenblick. In einer halben Stunde ist es wieder etwas anderes. Das ist natürlich nichts besonderes, unspektakulär wie viele andere Dinge in unserem Alltagsleben. Wenn dies der Fall ist, schätzen wir unsere individuelle Rolle nicht sonderlich, sie erscheint uns dann oft als lästiges Nebenprodukt unserer Existenz.

Sehen wir uns den jetzigen Augenblick genau an, so werden wir erkennen, dass wir das, was wir eben erleben, gar nicht mehr ändern können. In dem Moment, wo wir das Erlebnis mit unseren Sinnen erfassen, ist es bereits geschehen, anderenfalls könnten wir es gar nicht erfassen. Wir können unsere Handlungen bewusst steuern, doch das, was wir eben erleben, ist bereits geschehen. Wenn wir diese Tatsache nicht anerkennen, dann kämpfen wir ständig gegen die Realität, ohne dass wir es merken. Aber wenn wir das, was bereits der Fall ist, akzeptieren, öffnen wir uns für unsere individuelle Rolle. Plötzlich beginnt das Leben leichter zu werden. Je mehr Widerstand wir gegen unsere Rolle aufbringen, desto mehr leiden wir. Nun können wir diese Tatsache akzeptieren, oder wir können uns dagegen wehren. Wir werden feststellen, dass das Leben wesentlich angenehmer wird, je mehr wir annehmen, was ohnehin bereits so ist, wie es ist. Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht entwickeln sollen oder dass wir uns alles gefallen lassen müssen. Es bedeutet nur, dass wir unsere Rolle annehmen. Tiere, Pflanzen und all die vielen Erscheinungsformen tun dies ganz selbstverständlich, aber unbewusst.

Wir Menschen können uns bewusst für unsere individuelle Rolle entscheiden. Wenn wir nun sehr erfolgreiche Menschen beobachten, werden wir feststellen, dass sie sich bei ihrer Tätigkeit voll und ganz auf diesen jetzigen Augenblick konzentrieren. Ob es sich nun um einen Spitzensportler, um einen brillanten Wissenschaftler, um einen begnadeten Musiker oder sonst jemanden handelt, der etwas ganz besonders gut kann.

Sie sind einfach eins mit dem, was sie tun. Weiters werden wir bemerken, dass es auch Menschen gibt, die bei den allereinfachsten Verrichtungen vollste Freude entwickeln, auch sie sind einfach eins mit dem, was sie tun. Das Eins-werden mit der Gegenwart, also mit dem, was wir in genau diesem Moment erleben, eröffnet uns den Sinn unserer Existenz. Nicht durch Worte und Gedanken, sondern durch das intensive Erleben dieser Welt. Wer dies einmal erkannt und erlebt hat, wird auch in den einfachsten Verrichtungen Freude und Sinn erleben. Wer das nicht erkennt, wird der Freude im Leben nachlaufen, wie ein Esel der Karotte am Stiel. Egal was er anstrebt, egal welches Ziel er erreicht, er wird immer das Gefühl haben, dass es noch zu wenig ist. Selbst wenn er es zu materiellem Luxus bringt, wird er als Millionär immer wieder Mangel und Frustration erleben. Der Mensch, der seine individuelle Rolle bewusst lebt, wird auch die Vernetzung in der gigantischen Symbiose mit dem Ganzen erkennen.

Mögen Sie sich stets ihrer individuelle Rolle bewusst sein!

wünscht sich Ihr Wolfgang Wieser

Veröffentlicht unter Blog

Die Beziehung zu sich selbst.

Es gibt nur eine einzige Beziehung, die wir beruhigt aufgeben können: Die Beziehung zu sich selbst. Also die Beziehung zwischen unserem „ich bin“ gegenüber unserer gedanklichen Vorstellung, die wir von uns haben. Dieses kleine gedankliche Ich mit dem wir uns den ganzen Tag beschäftigen. Das meint, so viele Probleme lösen zu müssen. Sich ständig mit anderen Personen vergleicht und dabei schnell neidisch wird. Das ohne einen ersichtlichen Grund ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt, aber auch sehr schnell überheblich und verletzend sein kann. Das oft unzufrieden ist und größte Mühen auf sich nimmt, um etwas zu finden, das ihm Erfüllung geben kann, um dann festzustellen, dass es nach all der Anstrengung eine herbe Enttäuschung erntet.

Egal, wo dieses kleine Ich hinkommt, immer wieder stellt es fest, dass da irgendetwas noch nicht so ist, wie es sein sollte. Es fehlt ständig etwas, nichts ist vollkommen. Auf diese Weise kommunizieren wir ständig mit unserem kleinen Ich und erschaffen unsere persönliche Lebensgeschichte, die wir uns immer wieder selbst, aber auch gerne jedem anderen, der sich dafür interessiert, erzählen.

Bei diesem Vorgang handelt es sich um eine Spaltung unserer Identität, die wir selbst erschaffen und die, wenn wir nichts anderes kennen, sehr schnell destruktiv wird. Dann macht uns die Lebensgeschichte immer unglücklicher, dennoch haben wir Angst davor, diese Selbstgespräche aufzugeben.

Was ist unsere Identität, wenn diese Lebensgeschichte verstummt?

Wir befürchten dann, dass wir nicht mehr existieren. Doch das stimmt nicht. Wir sind auch dann noch anwesend, wenn es in unserem Inneren ruhig wird. Finden wir den Mut das zuzulassen, beginnen wir etwas zu fühlen, das wesentlich stärker und angenehmer ist als der ständige Gedankenlärm. Wir erfahren dann die Außenwelt und unser Innenleben in einer völlig neuen Qualität. Das kleine gedankliche Ich, das alles interpretiert, wird nicht gleich verschwinden, aber es wird immer schwächer. Wir brauchen es dann immer weniger und es verliert die Macht über uns. Plötzlich sehen wir alles in einer stillen Aufmerksamkeit und in einer ungetrübten Klarheit. Wir werden sehr einfach, unkompliziert, ruhig, gelassen und spüren eine gewaltige Energie in uns. Dann sind wir wirklich wir selbst, ohne großartige Vorstellungen über uns.

Möge ein bewusstes Herz, Dein ständiger Begleiter sein.

Wolfgang Wieser